Höllental

17.05.2013 17:36

Mich hat es ja schon die längste Zeit in den Fingern gejuckt. Endlich wollte ich mal rauskommen, den Tag nutzen, die Sonne genießen, wenn sie schon da war. Und endlich war da ein brauchbarer Nachmittag um den Hunger zu stillen. Solange es noch kalt und grausig draußen war träumte ich ja immer schon von den diversen Routen, malte mir im Kopf aus, wo ich nicht überall hinfahren könnte und saß dann vor der Landkarte wenn ich grad nix besseres zu tun hatte. Das heißt aber nicht, dass ich mich deshalb auskenne. Grob, ja. Aber wenn es dann drauf ankommt fahr ich bei jeder wichtigen Abzweigung vorbei weil ich zu schnell war und erst später nachdenke. Naja, das gibt halt ein Kilometerplus.

Diesmal habe ich es drei mal geschafft. Erst noch konzentriert mein Papiernavi studiert und jedes Straßenschild gelesen und schwupps, schon war ich wo anders. Wieder Heim finden tu ich ja immer, aber wie schon mein Papa zu sagen pflegte: "...so lange du vollgetankt hast..." Ja, hatte ich. Nun ja, ich lerne halt gern die Gegend kennen. Aber an und für sich kann ich das mit dem Kartenlesen. (Schließlich gehör ich auch noch zu der Generation, die keine kleinen Kasterln mit Bildschirm hatten um zu wissen, wo der nächste Hofer ist.)

 

Wie gesagt, da war dieser Nachmittag und ich machte mich auf. Mit der Routenbeschreibung im Tankrucksack (hier übrigens war ich unterwegs: http://goo.gl/maps/9lyMp ) schwang ich mich auf den Bock und los. Das erste Stück ging über die Autobahn. Jeder Wiener wird wissen, dass es jedes mal ein Graus ist, endlich aus dem Stadtgebiet zu kommen. Da drin kann man keine Bundesstraßen genießen, deshalb die Schnellvariante. Innerhalb von Wien verpasst man ja auch nix, die schöne Welt ist draußen. Bei Alland fuhr ich dann ab um über die B11 und B18  Richtung Lilienfeld zu kommen. Von da ging es weiter über Hohenberg wo ich wieder mal die Abzweigung zum Ochssattel übersehen habe.. Also umgedreht und endlich etwas Action. Denn bis hier hin war die Fahrt irgendwie mühsam. Es wehte äußerst lebhafter Wind und wenn man auf weiter Flur unterwegs ist macht das einem das Leben schwer. Aber da muss man durch, immerhin wusste ich ja, dass es nur besser werden kann sobald ich im Gebirge bin!

Der Ochssattel war sehr nett zu fahren - aber aufgewärmt war ich da eindeutig noch nicht. Oder die Kurven sind tatsächlich enger als gedacht. Jedenfalls tuckerte ich da ziemlich langsam mit maximal 60km/h durch. Kein Wunder, als mich so ein Supersportler ein bisschen genervt überholt hat und sich in die nächste Kurve legte, so elegant wie ein Eiskunstläufer der spielerisch von einem Kunstsprung kommend die nächste Kurve ausfährt. Na, ich hatte es ja nicht eilig. Und wenn ich die Straße nicht auswendig im Kopf habe bin ich auch nicht so schnell. (Anmerkung an mich: da muss ich öfters hin!!! Irgendwann kann ich das dann auch so elegant.)

 

Nach etwa einer viertel Stunde Kurvenspaß fuhr ich bei der nächsten Abzweigung vorbei. Moment, Schwarzau im Gebirge war da angeschrieben. Ok. Wenn man die Landkarte nicht im Kopf hat... wenn ich mir das jetzt gerade auf eben jener ansehe verstehe ich die Welt nicht mehr wo ich da abgebogen bin. Aber egal, ein bisschen Kieselsteintraining schadet auch nicht. Immer sollte man vielleicht auch nicht den Straßenschildern glauben.

Anfangs wurde mir allerdings anders. Wie gesagt, nichts als Kiesel, Schlaglöcher und dann ging es das erste Stück relativ steil und kurvig runter. Mit Quer- und Längsrillen. Puh, bremsen wäre nicht von Vorteil, ein Hoch auf die Motorbremse. Kurz hatte ich ganz vorsichtig die Bremse betätigt aber gemerkt, dass ich rutschte, also in den ersten Gang geschalten und mit viiiel Gefühl da runter gehoppelt. 5 Kurven später war es wieder halbwegs gerade, dafür kam ich mir einsam, verlassen und am falschen Weg vor. Aber mir war klar, das gleiche Stück noch mal bergauf fahr ich sicher nicht. Also darauf vertrauen, dass ich auf dieser Straße nach Schwarzau komme und weiter. Eine halbe Ewigkeit und ca. 10km später war ich tatsächlich am anderen Ende, da war wieder Asphalt! Und eine Kreuzung. Die Bundesstraße war wieder da. So, jetzt hatte ich mir aber eine Pause verdient, also fuhr ich rechts ab, kurz später war ich in Schwarzau wo ich kurz Halt machte.

 

Ich steuerte das Höllental an. Letztes Jahr war ich schon einmal da, wirklich wunderbare Gegend. Auf einer Seite Gewässer, auf der anderen Seite Fels, dazwischen schlängelt sich eine gut ausgebaute Straße mit abwechselnd linken und rechten Kurven durch. Herrlicher Asphalt unter den Rädern, von oben warme Sonnenstrahlen und kaum jemand auf der Straße. Eigentlich hatte ich vor, hie und da einmal ein Foto zu machen - hatte ich doch extra noch den Akku aufgeladen. Aber vor lauter Fahrerei kam ich gar nicht dazu. Ich konnte mich einfach nicht hinreißen lassen stehen zu bleiben, immer nur dann, wenn der Durst zu groß war oder Schmerz im Rücken zu nervig. Aber da war der Ausblick nie so berauschend. Dafür gibt es aber einen Film! Schaut doch mal in die Videoecke :-)

Anfangs musste ich mich erst wieder rantasten und die Schräglagen testen. Mit der Zeit wusste ich aber wieder, was ich immer falsch mache beim Kurvenfahren und schon traute ich mich schneller durch's Gebirge. Viel zu schnell war ich dann allerdings auch wieder am anderen Ende und landete somit in Payerbach-Reichenau wo ich stehen blieb. Ein bisschen die Beine vertreten, ausreichend Wasser trinken, sich strecken... Aber ein Blick auf die Uhr sagte, ich sollte hier nicht ewig bleiben. Also wieder rauf auf den Bock, ein weiteres Mal durch's Höllental (ich verstehe nicht, warum das so heißt. Ist doch sooo schön dort.. :-) ) aber diesmal mit einer Querfeldein-Abkürzung über Vois direkt nach Gutenstein. Eigentlich hatte ich noch vor, einen weiteren Sattel zu fahren (der Hals) aber bis dahin war ich schon streichfähig, deshalb ging es ab Pernitz geradewegs gen Autobahn um nach Hause zu kommen. Weil wie schon erwähnt, das mit dem Wiener Einzugsgebiet ist nicht so spannend, da macht die Bahn mehr Sinn.

 

Insegsamte 280km und ca. 4,5 Stunden später bin ich also wieder Daheim gelandet. Jetzt musste ein heißes Bad her. Nicht, weil ich durchgefroren war - ganz im Gegenteil, aber weil ich so verspannt war. Man sieht, ich bin heuer noch nicht viel zum fahren gekommen. Da muss ich mich eindeutig mehr daran gewöhnen.

Alles in allem war es aber eine schöne Tour und ist durchaus auch als ausgedehnte Tagestour zu empfehlen! In Payerbach gibt es schließlich zahlreiche Einkehrmöglichkeiten und zum durchspazieren ist es auch sehr hübsch dort. Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächste Ausfahrt und vor allem auf die Großglocknertour, die bald wieder anstehen wird!